16. Januar 2014 16:14
Kategorie: Angedacht
Von: Günther Buchetmann

Keine Lästerstunden!


Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.  (Eph 4,29)

Liest man diesen Vers im Zusammenhang (Eph 4,17-32) erkennt man schnell, worum es Paulus hier in seinem Schreiben an die Christen in der Stadt Ephesus in Kleinasien geht. Er redet ab Vers 17 sehr eindringlich von der Notwendigkeit, anders zu leben als Noch-Nicht-Christen. Paulus ist dabei sehr engagiert. In Vers 17 heißt es: „Ich beschwöre euch“. Da geht es wirklich um was, nämlich um das ethische Verhalten der Christen. Besonders auch daran sollen die Mitmenschen Christus erkennen. Wenn Jesus durch den Heiligen Geist in dein Leben eingezogen ist, wirst du fähig, das alte Wesen abzulegen. Klar ist das auch ein Prozess, aber es ist immer auch Aufruf, das jetzt und heute in der Kraft des Heiligen Geistes anzugehen. Und in diesem Veränderungsprozess geht es auch um das, was aus unserem Mund heraus blubbert: Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.

Es scheint, als wäre Paulus, als er das geschrieben hat, daran erinnert worden, was der Philosoph Sokrates einmal gesagt hat: Alles soll durch drei Siebe geschüttelt werden, was einer über einen anderen sagt.

Eines Tages kam einer zu Sokrates und war voller Aufregung.
"He, Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen." "Moment mal", unterbrach ihn der Weise, "hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?". "Drei Siebe?" fragte der Andere voller Verwunderung. "Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?". "Nein, ich hörte es irgendwo und . . .". "So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst - wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?". Zögernd sagte der andere: "Nein, das nicht, im Gegenteil . . .". "Aha!", unterbrach Sokrates, "So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?". "Notwendig nun gerade nicht . . .". "Also", lächelte der Weise, "wenn das, was du mir das erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!" (www.k-l-j.de/KGeschichte_7.htm?)

Die Anweisung von Paulus geht aber über den Tugendlehrer Sokrates noch hinaus. Im Hintergrund seiner Aufforderung steht sein theologisches Denken: Der Mensch ist als Gegenüber und Ebenbild des einen Gottes geschaffen. Es ist eine unglaubliche Würde, dessen „Nachahmer“ (Eph. 5,1) zu sein und wie Christus Licht in dieser Welt zu sein. Glaube und Leben müssen kompatibel sein. Das muss zusammenpassen wie Schloß und Schlüssel. Es geht nicht an, am Sonntag Loblieder zu singen und am Montag Gestank in Form von Lästereien, Fluchworten o.ä. aus dem Mund zu lassen. „Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen.“ So heißt der Satz unmittelbar vor der Monatslosung für Februar. Das ist natürlich noch ein Teil der Gesamtaussage. Aber es geht nicht nur um das offensichtliche, „faule Geschwätz“, um abwertende, verletzende Worte, es geht besonders darum, dass unser Reden (als Teil unseres Lebens) ein Ausdruck von dem ist, was uns regiert, was uns antreibt. Wenn „der Christus in uns“ in alle Lebensbereiche hinein reden darf, dann sollte das auch in unserem Reden zum Ausdruck kommen. Dabei geht es natürlich nicht um stilistische Fragen unserer Sprache, sondern um den Inhalt.

Im Abschnitt vor den praktischen Anweisungen zeigt Paulus, wie wir uns Verhalten, das nicht im Sinn unseres guten Vaters im Himmel ist, abgewöhnen können (Eph 4,17-24).

  1. Umkehr/Buße. Bitte um Vergebung
  2. Bitte darum, dass du erkennst, wie Jesus über Tratsch und Klatsch denkt
  3. Bitte Gott, dass er dir hilft, dein altes Muster durch ein neues, gereinigtes, jesus-ähnliches Denken und Reden zu ersetzen

Redet, was gut ist, d.h. konkret: Rede über den, über den du gerade etwas Negatives sagen wolltest, ganz bewusst etwas Gutes. So können wir uns negative Automatismen abgewöhnen. So werden wir verändert. Tratscherei und Hintenrumrederei ist wie eine Seuche. Auch unter Christen. Das sollte uns nicht kalt lassen, sondern jeder kann dazu beitragen, dass sich diese „Kultur“ des Übereinander-Redens verändert.

Mit Gottes Hilfe können wir das ändern. Aber es wird eine Entscheidung und ein bewusstes Einüben nötig sein. Halte dich an den Fahrplan, den Jesus uns durch die Bibel dazu an die Hand gibt (siehe die drei Punkte oben).

„Lasst ja kein giftiges Wort über eure Lippen kommen! Seht lieber zu, dass ihr für die anderen, wo es nötig ist, ein gutes Wort habt, das weiterhilft und denen wohltut, die es hören.“ (Vers 29 nach der GNÜ)

Rede was wahr, was gut, was notwendig ist, was aufbaut, was ermutigt, was weiterhilft, was dem neuen Wesen des Christen entspricht (vgl. Vers 24). Verbiete dir selbst die Lästerstunden!


Günther Buchetmann,
Pastor