20. November 2013 11:01
Kategorie: Angedacht
Von: Günther Buchetmann

Licht und Leben


In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.  (Joh 1,4)

Liebe Freunde der Gemeinde

Jetzt, wo das Grau des Novembers die Jahreszeit bestimmt und die Tage kürzer werden, gewinnt Licht wieder eine größere Bedeutung. Besonders Menschen, die zu depressiven Verstimmungen neigen, versuchen Licht ins Leben zu bringen. Licht und Wärme sind die fundamentalen Voraussetzungen für Leben. Ohne Licht kein Leben, das hat jeder als Merksatz im Biologieunterricht gelernt. Diese Erkenntnis überträgt Johannes in seinem Evangelium in brillanter Weise auf das geistliche Leben.

Leben und Licht sind die Gegensatzpaare zu Tod und Finsternis. Und gleich in der Einleitung des Evangeliums (Verse 1-14) wird mit Leben und Licht das Mensch gewordene Wort, Christus selbst, beschrieben. In den einleitenden Versen wird schon alles angerissen, was später entfaltet wird. Es sind Sätze, die eine große Erwartung, ja, Neugier auslösen sollen. Auf die in der Ouvertüre angeschlagenen Töne wird Johannes immer wieder zurück verweisen. Den, wie einen gewaltigen Fanfarenstoß klingenden Satz, „In ihm war das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen“, werden wir besser verstehen, wenn uns klar ist, dass Johannes in unüberbietbarer Weise die Einheit von Gott, dem Vater mit dem Sohn thematisiert: Der Vater ist ganz im Sohn gegenwärtig und der Sohn im Vater (vgl. Joh. 10,38; 14,10).

Licht ist schon im Alten Testament eine Metapher, ein Symbol für Gott (vgl. Jes. 2,3.5; 10,17; Ps. 27,1). Licht kommt von „oben“, ist hell und rein und wird mit göttlichen Eigenschaften in Verbindung gebracht. In der Sprache des Johannes ist Licht der Inbegriff der Offenbarung. D.h., weil Jesus das Licht der Welt ist (8,12), zeigt er uns die Realitäten, wie sie wirklich sind. Die geistliche Wirklichkeit kann dann erfasst werden, wenn der Blick darauf nicht mehr von der Finsternis verstellt ist. Jesus Christus, in dem Gott ist und wirkt, zeigt uns Gott den Vater, wie er wirklich ist, wie wir aus der Finsternis gerettet und Zugang zum Vater bekommen. Licht ist der Bereich von Gott und damit der Bereich, wo wahres Leben existiert.

Finsternis gehört ebenso wie Licht zur menschlichen Erfahrung. Finsternis ist gefährlich und erschreckend. Finsternis steht für Gottesferne, Gericht und Tod.

Die wenig schmeichelhafte Aussage im Evangelium lautet: Alle Menschen leben (zunächst) in der Finsternis! Sie können allerdings zum Licht kommen! Sie werden vom Licht beschienen und können dann im Licht leben. Das wahre Leben (ewiges Leben) ist dort zu finden.

Durch den Weg und das Wirken von Jesus wird deutlich, von welcher Art dieses Leben ist. Er berührt Menschen an Leib und Seele, so dass sie gesund werden. Die Vergessenen und Ausgestoßenen werden von Jesus Christus in die Gemeinschaft zurück geführt. Jesus isst mit ihnen. Das ist Ausdruck dafür, dass sie dazu gehören und unter seinem Schutz leben können. Selbst besserwisserisch Religiöse werden vom Licht erreicht und überführt, lernen das neue Leben und echte Freiheit kennen. Dort, wo Jesus als das Licht mit seiner Liebe und Wahrheit Menschenleben anrührt, bricht Neues hervor, so wie eine aufkeimende Pflanze das Erdreich durchbricht. Tatsächlich: Wer das Licht hat, braucht nicht mehr in der Finsternis umher zu irren. Bei Jesus wird das Leben hell. Wir brauchen uns nicht mehr zu schämen und zu verstecken. Wir können ehrlich werden und ungeschminkt auf unser Leben schauen. Im Licht von Jesus können wir sehen und erkennen: Tatsächlich, ER ist der Retter der Welt. ER gaukelt uns keine Scheinwahrheiten vor. Er IST das Leben und beschenkt uns mit wahrem, mit echtem, mit himmlischem Leben. Stelle dich neu in dieses Licht, das dieses Leben bringt.

Frohe Weihnachten

Günther Buchetmann,
Pastor