26. März 2014 13:15
Kategorie: Angedacht
Von: Günther Buchetmann

Liebt euch!


Jesus sagt: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. (Joh 13,35)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde der Gemeinde

Wenn wir das Gefühl haben, übersehen zu werden, ist das unangenehm, manchmal tut es auch richtig weh. Wir fühlen uns verletzt. Das tut was mit uns. Wenn man uns als Christen nicht wahrnimmt, ist das nicht viel anders. Es tut uns als Menschen gut, wenn wir beachtet, wenn wir ernst, wenn wir wahrgenommen werden.

Aber in dem o.g. Vers geht es gar nicht zuerst darum, dass wir positiv auffallen, sondern dass durch unser Verhalten als Christen Christus wahrgenommen wird. Das ist das eigentlich Ziel des „neuen“ Gebotes, das Jesus für seine Nachfolger formuliert: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe (Vers 34).

Einander heißt gegenseitig. Hin und her. Von einem zum anderen und wieder zurück.

Warum würde man uns an der Liebe als Christen erkennen? Weil das ungewöhnlich ist. Weil das anders als die Normalität ist. Das Übliche ist nicht Liebe, sondern Streit, schlechtes Reden, Hass, Verleumdung, Ellenbogengesellschaft. Gestern habe ich einen Beitrag über „alternatives Wohnen“ im Radio gehört. Mehrgenerationenhaus, miteinander leben, nicht nur nebeneinander wohnen, darin zeigt sich ein tiefes Bedürfnis nach Gemeinschaft, hieß es in dem Bericht. Leute, die sich in alternativen Wohnprojekten einsetzen, wollen Zeichen setzen gegen die „Versingleung“. Ich denke, man kann gerne dazu fügen, auch gegen die Einsamkeit, den Verlust von Bindung und Beziehung, gegen das Aufhören der Liebe. Liebe ist das Grundbedürfnis des Menschen, auch wenn wir das nicht immer zugeben.

Aber jeder weiß, dass Liebe oft auch so schwer ist. Man macht sich verletzlich, wird ausgenutzt etc. Wir Menschen sind von Natur aus sehr auf uns selber bezogen und das steht uns häufig im Weg, wenn es darum geht, zu lieben. Liebe sucht das Wohl des Gegenübers. Tritt hinter sich zurück. Liebe verzichtet für das Gemeinsame, das Wir.

Kein Mensch kann von sich aus wirklich uneigennützig lieben. Und was ist mit denen, die es doch hinkriegen? Die Bibel lehrt uns, es ist möglich zu lieben, weil der HlgGeist uns hilft, die Liebe, die Gott selber in unser Herz schüttet, wieder raus zu lassen. Den Mann, die Frau, die Schwester, den Bruder zu lieben mit der Liebe Gottes. Darum geht es, wenn Jesus sagt, wir sollen lieben, wie er geliebt hat. In Jesus ist die einzigartige Liebe Gottes sichtbar geworden. Am stärksten darin, dass er für uns in den Riss getreten ist. Er ist für unsere Schuld am Kreuz gestorben, damit wir mit Gott versöhnt werden. Damit die Trennung, die die Sünde zwischen Gott und mir verursacht hat, beendet wird. Damit wir als königliche Adoptivkinder lernen, an der Hand von Jesus zu leben. Damit wir mit seiner Kraft uns gegenseitig lieben können. Damit die andern erkennen, dass Gott Liebe ist. Dass ER es ist. Dass seine Gnade die Veränderung in uns bewirkt, wenn wir mittun, wenn wir mit dem Geist Gottes im Team arbeiten und mit ihm kooperieren.

Wir Christen haben einen unglaublichen Vorteil. Wenn du das, was Jesus getan hat, persönlich annimmst, glaubst, d.h. in Anspruch nimmst, dann kommt Gott selber, durch den HlgGeist in dein Herz und hilft dir, die guten Weisungen und Gebote von Gott um zu setzen. Mit unserer Kraft ist es oft nicht möglich, den andern zu lieben. Wir haben oft nicht die Ressourcen dazu. Aber Jesus hat sie. Darum ist es wichtig zu verstehen, wie wir lieben können, wenn der eine uns übersieht, wenn die andere abfällig über mich redet, wenn Gerüchte sich breit machen. Ich glaube, das beste und das erste Mittel ist, uns die Gnade von Jesus, die im Evangelium sichtbar wird, wieder und wieder ins Bewusstsein zu holen, damit wir überhaupt bereit werden, zu lieben, wo wir es natürlicherweise nicht wollen.

Wie Jesus sollen wir lieben, sagt Vers 34. Wie hat er geliebt? ER hat dich geliebt, als du noch sein Feind warst. ER hat mich geliebt, als ich absolut nichts mit ihm zu tun haben wollte. Dass ER trotzdem geliebt hat, ist unglaublich. Aber das ist die Art, die wir auch bekommen sollen. Das geht nur, indem wir uns immer wieder das große Wunder der Gnade „an uns selber“ anschauen und Jesus bitten: Hilf mir, dass ich auch so lieben kann. Dass ich meinen Vater trotzdem lieben kann, obwohl er mich jahrzehntelang abfällig behandelt hat, oder, oder … Das bedeutet, aus dem Evangelium der Gnade zu leben. Genau darum geht es im Leben des Christen. Das müssen wir üben und lernen. Dann sind wir in unserer Berufung: Aus seiner Gnade zu leben. Aus seiner Gnade zu handeln. Aus seiner Gnade zu lieben.

Dann werden die „anderen“ an uns die Liebe von Jesus sehen und erfahren. So leben wir unsere Bestimmung, unseren Auftrag, unsere Mission. Andere sollen IHN, Jesus Christus, als Retter auch ihres Lebens erkennen. Insofern ist die Liebe untereinander die Missionsstrategie von Jesus schlechthin. Tauchen wir neu ein in die Gnade Gottes, die in Jesus Christus so verständlich und anschaulich geworden ist.


Günther Buchetmann

Pastor