27. September 2013 23:39
Kategorie: Angedacht
Von: Günther Buchetmann

Vergesst nicht, Gutes zu tun...


Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen; denn an solchen Opfern hat Gott Gefallen.  (Hebr 13,16)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde der Gemeinde

Ist das nicht eine seltsame Aufforderung in dem Vers, dass wir nicht vergessen sollen, Gutes zu tun? Kann man das vergessen, anderen Menschen Gutes zu tun? Meint der Hebräerbriefschreiber, wir hätten alle Alzheimer? Klar, kann man vergessen. Einen Anruf oder eine dringende Überweisung zu erledigen oder der Oma zum Geburtstag zu gratulieren. Aber mit anderen zu teilen und ihnen Gutes zu tun, vergisst man das? Ich glaube, dieser Vers trifft ins Schwarze. Wir sind oft so gnadenlos beschäftigt und abgelenkt, sind froh, wenn wir unseren eigenen Alltag mehr schlecht als recht bewältigen. Da kann es leicht, sehr leicht geschehen, dass wir für das, was außerhalb unseres Gesichtsfeldes ist, keinen Blick mehr haben. Dass wir die Nöte unserer Mitmenschen übersehen. Schlicht vergessen.

Leicht vergessen (und damit ausgegrenzt) werden alle möglichen Menschen. In unserer Gesellschaft sind es die, die nicht so leistungsfähig sind. Nur beispielhaft seien die vielen psychisch kranken Menschen erwähnt. Oder die, die mit dem Leben einfach ihre Mühe haben. Die Alten, die über viele Jahrzehnte in Gesellschaft und Gemeinde ihren Beitrag geleistet und jetzt von der Bildfläche verschwunden sind, weil sie nicht mehr können. Wie leicht vergessen wir sie. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Insofern ist diese Aufforderung bitter nötig: Vergesst nicht die Vergessenen! Kümmert euch. Denkt aktiv dran und setzt euch dann in Bewegung, um ihnen Gutes zu tun. Das mag ein Besuch im Altenheim sein oder dass wir unserem Arbeitskollegen bewusst ein gutes Wort sagen oder bewusst zuhören. Oder der Not dieser Welt z.B. auch durch finanzielle Unterstützung von Hilfsprojekten etc. begegnen.

Das gehört zum christlichen Ethos: Gutes tun. Die Mitmenschlichkeit zu pflegen. Das gehört (eigentlich) zum Selbstverständlichen. Das nicken die meisten sicher auch ab. Und doch: So schnell ist es vergessen. Ist anderes im Blickfeld. Gar nicht aus Böswilligkeit, sondern eher aus Zeitmangel und Beschäftigtsein mit anderen Aufgaben. Also lassen wir uns erinnern: Denke daran, dem Hilfsbedürftigen, dem der nicht (mehr) mithalten kann, Gutes zu tun. Mit den Bedürftigen zu teilen.

Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen und habe das oft genug gehört: Teile mit den anderen, mit den Geschwistern.
Dieses Teilen war nicht immer schön, oft genug lästig. Aber es hatte den Vorteil, dass auch die anderen mit mir teilen mussten. Wo teile ich heute noch? Viele von uns haben soviel, dass man nur den Überfluss teilen muss. Den Mangel zu teilen, ist nochmal ganz anders und für viele -Gott sei Dank- keine Alltagserfahrung mehr. Nur: Die Erfahrung zu machen, wie bereichernd es gleichzeitig sein kann, wenn man sich überwindet und dem anderen vom eigenen Wenigen abgibt, diese Erfahrung machen wir dann auch nicht. Die Erfahrung, dass Opfer bringen auch eine positive Seite hat. Dass man dabei auch gewinnt. Freude und Genugtuung. Die Freiheit, vom Eigenen losgelassen zu haben. Den alten Kreislauf von Geben und Nehmen durchbrochen zu haben. Erst recht befriedigt teilen, wenn man es mit der Hilfe von Jesus umgesetzt hat, das Gute zu tun. Und damit die Welt ein klein wenig verändert hat.

Ja, es gehört zum christlichen Ethos, das freiwillige Abgeben und Teilen. Der Vers im Hebräerbrief weiß aber sogar von einer Belohnung. Anderen vom eigenen Kuchen abzugeben, kann Opfer, kann Überwindung und das Loslassen von eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen bedeuten. Und das bringt nicht nur, wie oben gesagt, eine gewisse menschliche Befriedigung, sondern ist auch in Gottes Augen richtig und lobenswert. Das gefällt Gott. Und wenn es Gott gefällt, freuen sich die Jesus-Nachfolger. Wir freuen uns, wenn unser Vater und unser Herr und Retter, Jesus Christus, Freude an uns und unserem Leben hat. Wenn Gott sich freut, freut es auch uns. Also: Teile gerne und versuche möglichst oft Gutes zu tun, denn das bringt doppelte Freude.

Ist nur noch zu klären, wie wir es (besser) schaffen können, uns zu erinnern. Welche „Marker“ können uns helfen, mehr an die Vergessenen dieser Welt zu denken und sie zu unterstützen? Vielleicht sind ja dieser Vers und diese Erläuterungen ein neuer Anstoß, mehr oder öfter zu helfen. Aber bitte bleibe nicht im Unbestimmten. Werde konkret! z.B. „Heute (nicht irgendwann) werde ich meinem alten Nachbarn einen Kuchen backen“. „Heute werde ich Geld überweisen, damit der Flüchtlingswelle aus Syrien im Libanon begegnet werden kann“ usw.
Danke, Jesus, für diesen „Erinnerer“, für diesen Vers aus der Bibel. Gehen wir es neu an, Gutes zu tun. Gott hat daran seine Freude und du auch.

Günther Buchetmann,
Pastor