17. Juli 2013 13:49
Kategorie: Angedacht
Von: Günther Buchetmann

Vom Abend zum Morgen


Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet.  (Ps 30,12)

Es ist wirklich wunderschön und erhebend, wenn es einem gut geht. Dann fühlen wir uns stark und sicher. Wenn alles „wie am Schnürchen läuft“ denken wir, wir hätten alles im Griff, sind voller Optimismus und haben das Gefühl, dass es wohl nichts gibt, was uns aus dem Sattel werfen könnte. Wir empfinden den Segen von Gott als „geballte Ladung“ und (wenn´s gut geht) danken wir IHM auch dafür. Doch wie schnell kann sich das Blatt wenden. Das hat auch der starke König David erlebt. David war einerseits sehr empfindsam und andererseits der starke, von sich überzeugte Kämpfer. In Psalm 30,7 sagt er: „Ich aber sprach, als es mir gut ging: Ich werde nimmermehr wanken (mich kann nichts umhauen). … Aber als du dein Antlitz verbargest, erschrak ich.“ Als Gott von ihm weg schaut, fühlt er sich schutzlos. Seine Selbstsicherheit ist wie weg geblasen. Im Psalm wird deutlich, dass David in seinem Unglück zwei Dinge erkennt: Seine Sünde und die Gnade Gottes. Die innere und/oder äußere Not (das kann von Einsamkeit bis zur Lebensbedrohung durch Krankheit gehen) empfindet er wie ein STOP-Schild, das Gott in sein bisheriges Leben stellt. Es fällt ihm nun wie Schuppen von den Augen: Es ist Gottes Gnade, die mich hierhin gebracht hat, die mich bisher geführt hat. David erkennt die Gnade seines Gottes an dem Punkt am deutlichsten, als er den Zorn Gottes spürt weil der sein Antlitz, seine Augen von ihm abwendet.

Auch für uns können Zeiten der Not und der Krise dazu dienen, die Fehler und das Versagen aber auch die Gnade des bisherigen Lebens zu erkennen. Sie können Umkehr und Veränderung bewirken – wenn wir sie denn als Gottes Chance begreifen.
„Herr, zu dir darf ich so kommen wie ich bin.“ Bei Gott dürfen wir unser Herz ausschütten. Wir brauchen uns nicht verstellen. Wir können ungeniert „auspacken“, aus der Tiefe schreien. Unser Unvermögen und unsere Kraftlosigkeit, das Gefühl des Ausgeliefertseins vor unseren Gott, unter das Kreuz von Jesus Christus, werfen.

Der saloppe Ausspruch: „Irgendwie geht es immer weiter“ stimmt tatsächlich. Weil Gott hört. Weil ihn unser Geschrei nicht kalt lässt. Weil ER selber kommt. In Jesus Christus kommt Gott zu uns. Er macht sich klein und wird Mensch. Er beugt sich tief herab. Aber Gott will mehr, als dass es „irgendwie“ weiter geht. Er kommt und hebt uns auf. Und hebt uns zu sich hinauf. Er führt in die Tiefe, um unser Leben neu auszurichten. Er lässt uns unser Angewiesensein spüren, damit wir im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung wachsen und tiefer blicken. Damit Sünde und Versagen und seine unendliche Gnade neu in unserem Leben aufleuchten. Damit wir vom Absturz zur Freude, von der Klage zum Lob, von der Traurigkeit zum hellen Licht durchdringen.
Vom Klagen zum Tanzen, vom Trauerkleid zum Hochzeitskleid, vom Weinen zum Loben, das ist die Richtung. Das ist Veränderung, Verwandlung, die den Reflex des Lobens auslöst. Der Beter kann nicht anders. So etwas gibt es nur bei Gott.

Es ist Gott, der uns neu einkleidet. Er hat sein Ziel erreicht, wenn der Mensch erkennt, dass er schuldig geworden ist – und wenn er erkennt, dass Gottes Gnade größer ist als alle Schuld und alles Versagen. Dann zieht Gott höchst persönlich dir das Freuden-, das Festkleid an, mit dem du in die Arme des liebenden Vaters laufen darfst. Dort ist Friede. Dort ist Jubel. Dort ist gut sein.

Die Erfahrung von Psalm 30, von der Klage zum Lob, vom Dunkel zum Licht, vom Abend zum Morgen (Vers 6) könnte man auch eine Grunderfahrung des Glaubens nennen. Sie ist wichtig. Sie ist gut, wenn auch erst nicht angenehm. Wir können nicht vorhersagen, wie lange die Nacht dauert. Aber eins ist sicher: Der Herr ist da. Auch in der Nacht.
Seine Liebe lässt die Sonne wieder aufgehen. Auch in deinem Leben. Sodass du mit David von Neuem bekennen kannst: Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet.

Pastor Günther Buchetmann